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Nachruf William McAllister Johnson

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William McAllister Johnson (24. Oktober 1939 – 23. August 2016)

Noch Anfang dieses Jahres pflanzte der Emeritus der University of Toronto und passionierte Gärtner 300 Narzissen in seinem kunstvoll entworfenen und fachmännisch angelegten Garten in Bath nahe Kingston am Nordufer des Lake Ontario, wo er sich schon Jahre vor seiner Pensionierung niedergelassen hatte. Er muss sie noch in Blüte erlebt haben, und so hatte auch dieses Unterfangen seine Erfüllung, so wie es William McAllister Johnson, den seine Freunde Mac nennen durften, gelungen war, sein Lebenswerk und opus magnum über die französische Druckgraphik des 18. Jahrhunderts rechtzeitig abzuschließen und als Buch zu präsentieren (THE RISE AND FALL OF THE FINE ART PRINT IN EIGHTEENTH-CENTURY FRANCE. Toronto University Press 2016).
Alles in seinem Leben war geplant und genau durchdacht. Gegen Widerwärtigkeiten, wie sie kaum einem erspart bleiben im Leben, wappnete ihn sein Witz, der in seiner gelegentlichen Schwarzfärbung etwas Britisches hatte. Ich erinnere mich an eine seiner Krawatten – allerdings nicht in Schwarz, sondern rosarot – deren Muster von Ferne wie blühende Rosen erschien, die sich jedoch beim Nähertreten in Schweineköpfe verwandelten. Mit großem Vergnügen verstieß er gelegentlich gegen Konventionen, ohne jedoch je den Anstand zu verlieren.
Seine Beschäftigung mit französischer Kunst und Kultur und seine häufigen und ausgiebigen Aufenthalte in Paris haben über die Jahre auch seine äußere Erscheinung geprägt. Wer ihn nicht kannte, konnte ihn für einen Franzosen halten, und das hätte ihm gefallen. Trotz seiner eher zierlichen Statur war er alles andere als etwa zerbrechlich, im Gegenteil. Er hatte in jeder Hinsicht das, was seine Muttersprache als „stamina“ bezeichnet. So erwies er sich auch Modeerscheinungen und dem gegenüber, was er dafür hielt, als resistent: Bis an sein Ende widersetzte er sich dem Gebrauch des Rechners und anderer technischer Errungenschaften, die die Bearbeitung geistiger Stoffe und die zwischenmenschliche Kommunikation erleichtern, wie um zu beweisen, dass man auch auf traditionelle, altbewährte Art ans Ziel kommt. Den Beweis hat er erbracht.
Ich kann McAllister Johnson nur aus der Perspektive einer Freundschaft gedenken, die meinen verstorbenen Mann Hans-Karl und mich mit ihm verband; auf sein wissenschaftliches Werk einzugehen, kann meine Aufgabe nicht sein. Um seine Leistung auf diesem Gebiet angemessen zu würdigen – dazu bedarf es eines Kompetenteren als mich.
Seine eigene umfangreiche Sammlung französischer Druckgraphik hat McAllister Johnson der Carleton University Art Gallery in Ottawa hinterlassen und sich damit ein weiteres Denkmal gesetzt.

Susanne Lücke-David

P.S.
Seine Forschungen zur Sammlungsgeschichte von Druckgraphik im 18. Jahrhundert in Frankreich brachten ihn zwangsläufig zur Person Carl Heinrich von Heineken. Heinekens wissenschaftlicher und kennerschaftlicher Austausch mit Hugues-Adrien Joly, dem Direktor des königlichen Kupferstichkabinetts in Paris fand im Ergebnis seine Publikation in der kommentierten Quellenanthologie Lettres a Karl-Heinrich von Heinecken 1772-1789 von 1988. Seit dieser Zeit verband McAllister Johnson auch eine Freundschaft mit dem Dresdner Heineken-Kenner Christian Dittrich.
Vor etwa fünf Jahren trat ich mit McAllister Johnson in Kontakt und bat ihn um einen Beitrag in einer neuen Heineken Publikation, den er mit Freude lieferte. Von diesem Zeitpunkt an traten wir in einen regen Briefkontakt – der zuletzt einen kleinen Karton bei mir füllte – begleitet von einem Austausch von Publikationen. Seine dadurch erlangte Sammlung von Heinrich Graf von Brühl Sonderbriefmarken wird wohl somit auch Eingang in seinen vererbten Nachlass gefunden haben.
McAllister Johnsons letzter Aufsatz wird in der ersten Publikation der Carl Heinrich von Heineken Gesellschaft erscheinen, darauf sind wir sehr stolz!

Martin Schuster

  2016  /  Aktuelles  /  Letzte Änderung April 5, 2017 von Martin Schuster  /