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Carl Heinrich von Heineken als Grundherr in der Niederlausitz

Durch intensive Landwirtschaft und Ansiedlung von Manufakturen verwandelte Heineken Altdöbern in eine vorbildliche Gutswirtschaft. Die größten Veränderungen der Ländereien und im Ort vollzogen sich in den Jahren bis zum Siebenjährigen Krieg. Neben dem Umbau des Schlosses und der Gartenanlagen durch die besten sächsischen Hofkünstler investierte Heineken viel in die Neugestaltung seiner Grundherrschaft. Er ließ die Papiermühle ausbauen, Brauerei, Gasthof und ein Warenhaus wurden dem Gut angefügt. Landwirtschaft und Obstanbau wurden intensiviert, eine Gärtnerei und Baumschule angelegt, Fischerei und Bienenzucht betrieben. Er begann mit dem Anbau und der Verarbeitung von Tabak, errichtete 1767 eine „Tabacks Fabrique“. Schließlich förderte Heineken den Anbau der Kartoffel.

Der ehemals runde Marktplatz erhielt durch ihn seine heutige viereckige Form und wurde mit holländischen Linden bepflanzt. Die wirtschaftliche Situation versuchte Heineken durch die Stärkung des Marktrechts zu verbessern. 1746 erwirkte der Gutsherr beim Kurfürsten die Verdopplung der jährlichen Markttage auf zehn Tage sowie Erleichterun gen für die Marktteilnehmer. Die Viehmärkte wurden geschickt vor die Cottbuser Markttage gelegt. Die Händler hielten auf dem Weg nach Cottbus somit auch in Altdöbern. Käufern blieb so der Weg ins preußische Gebiet erspart. 1769 ersuchte Heineken jeweils erfolglos um die Erteilung einer Marktfleckengerechtigkeit beziehunsgsweise einige Monate später sogar um das Stadtrecht für Altdöbern.

Durch die veränderte Reiseroute König Augusts III. zwischen den Residenzstädten Dresden und Warschau, welche durch Pförten und auch Altdöbern führte, kam es zum Ausbau und zur Verbesserung des Wegenetzes. Straßen und Brücken wurden neu angelegt oder instand gesetzt. Altdöbern wurde an ein überregionales Verkehrsnetz angeschlossen, das später die Dresden-Warschauer Post nutzte. Ein Aufenthalt des Königs in Altdöbern ließ sich allerdings bisher nicht nachweisen.

Neben den vielen positiven Aspekten muss das schwierige Verhältnis zu den Bauern auf dem Gut erwähnt werden. Heineken behandelte diese wie Leibeigene. Wieder holt beschwerten sich die Bauern über hohe Abgaben, Arbeitsbelastung und schlechte Behandlung bei den sächsischen Ministerialen. Heineken wiederum bemängelte den Ungehorsam und die Uneinsichtigkeit der Bauern.

»… [die Bauern] beschwerten sie sich bitterlich über ihren Herrn, der sie so tyrannisch behandeln würde.«

Louis Talon, 1763

»Ich bin sicher, daß ihr Gut durch Ihre Anwesenheit viel Nutzen gehabt haben wird, ich wollte, daß unsere Güter auch in so gutem Zustande und so gut in Ordnung wären. Es gibt viel zu tun, aber dafür braucht man Leute mit Willensstärke, die mit Genauigkeit das erledigen was man ihnen befiehlt. Ist man vor Ort dann läuft alles rund, sobald man jedoch nicht da ist, so bleibt die Maschine allmählich stehen.«

Gräfin Brühl an Heineken am 5. Juli 1758

»Das schlimmste beÿ diesen allen sind die bösen Bauren, welche durch jeden Umstand gereitzet werden, ihre Gottlosigkeit auszuüben. […]. Sie schlagen das Herrschaftliche Holtz nieder und wenn der Gerichts Diener sie pfänden will, drohen sie ihn zu erschlagen. Sie weigern sich die Militz Gelder zu zahlen, und weil in der Niederlausitz die Obrigkeit vor das gantze stehen muß, so ist der Verwalter genötiget, für sie zu zahlen. Zu geschweigen, daß die guten Unterthanen auf den Sprung stehen, verführet zu werden, da sie sehen, daß den bösen alles ungestraft angeht.«

Heineken, 1763

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  1003  /  Zeitstrahl  /  Letzte Änderung April 5, 2017 von Martin Schuster  /